Meine Initiation ins Leben erlebte ich mit der Geburt meiner Tochter. Für mich eine traumatische Erfahrung als schwangere Frau von Hebammen und Helfern rund um Geburt so behandelt zu werden.
Während meiner Schwangerschaft fühlte ich mich verbunden und im Vertrauen. Dieses Gefühl kannte ich kaum von vorherigen Momenten im Leben. Der erste Knackpunkt war, dass ich über errechnetem Termin war und noch keine Anzeichen für eine Geburt spürbar waren. Der Druck in mir baute sich langsam auf. Wenn ich es allein nicht hinbekäme, würden sie die Geburt einleiten. Gefangen in der «Weisskittelhörigkeit» traute ich mich nicht, dagegen zu halten.
Zum Glück setzten die Wehen von allein ein. Zunächst hatte ich einen Tag lang Wehen. Sie begannen am Morgen um 7 und bis am Abend 19 Uhr war ich guter Dinge. Dann fuhren wir ins Spital. Empfangen wurden wir von einer sehr strengen, alteingesessenen Hebamme. Nach einem Blick auf meine Wehen und die Kontraktionen, wurde mir von ihr eröffnet, dass bei den mich schmerzenden, langsam auslaugenden Wehen, «nichts brauchbares» dabei war. Ich fiel in ein Loch. War ich fähig ein Kind zu gebären? Würde ich das unter den Schmerzen überleben? Wie würden die Schmerzen sein, wenn sie «brauchbar» wären?
In der Nacht übergab ich mich vor Erschöpfung und bettelte nach einer PDA. Mein Körper war fertig, geschafft, ausgelaugt. Erst am Morgen bekam ich die «erlösende» PDA. Die Schmerzen liessen nach und ich konnte 2 Stunden schlafen. Danach fühlte ich mich fit und parat. Ich wollte, dass die PDA gestoppt wurde, doch man erklärte mir, dass das nicht ginge. Ich war gefangen mit der PDA. Einen halben Tag passierte nichts. Dann wurde mir Druck gemacht. Man hatte die gesamte Zeit wehenfördernde Mittel in mich hineinfliessen lassen, ohne mir etwas zu sagen. Nun sei mein Körper bald nicht mehr in der Lage die Gebärmutter nach der Geburt wieder zurückbilden zu lassen und ich könnte verbluten, wenn man nicht einen Kaiserschnitt machte. Angst, Druck, Panik!
Ich war am Ende meiner körperlichen und emotionalen Kräfte. In dieser Zeit kam ein kleiner Engel, ein Lichtblick in das Gebärzimmer. Eine Hebamme, die mit mir gemeinsam versuchte, was davor keiner getan hatte. Leider brachte das nichts mehr und ich musste unter Tränen einwilligen, dass man mein Kind per Kaiserschnitt holen würde. Die Prozedur im OP-Saal war alles andere, als das was ich mir vorgestellt und gewünscht hatte.
Nach dem Kaiserschnitt wurde ich allein in einem Gang stehen gelassen. Man löschte das Licht und ich hoffte nur, dass der Papa meiner Tochter einfach immer bei ihr war und sie nicht aus den Augen liess und sich kümmerte. Ich war hilflos ausgeliefert und das war die abschliessende Krönung von meiner Spitalerfahrung.
Ich wollte mein Kind sehen, aber niemand hörte und achtete auf mich. Bis endlich die Hebamme, die schon zuvor mein Lichtblick war, mit meiner Tochter und dessen Papa zu mir kam und ich endlich mein Kind im Arm hielt. Der Hebamme waren die «Regeln» und «Man Sollte» egal. Sie brachte mir mein Kind, das noch genau so war wie nach der Geburt - ungewaschen, in Tücher gewickelt und endlich in meinem Arm.
Dieses kleine Portiönchen in meinem Arm sah mich an und es schoss so viel Liebe aus ihren Augen zu mir, bedingungslos und unbeeindruckt von der Aussenwelt. Nie hatte ich so etwas zuvor in meinem Leben gespürt. Und da war die Gewissheit:
Es wird alles anders sein, als ich mir es davor ausgedacht hatte.
So kam es, dass ich mich auf den Weg machte nach Heilung und dahin diese bedingungslose Liebe zu erlernen. Auf diesem Weg nährte ich mich mir immer weiter an.
Heute schaue ich mir in den Spiegel und sehe die bedingungslose Liebe aus meinen Augen zu mir fliessen.
Ich arbeite als Begleiterin für Menschen, die mit Kindern zu tun haben. Ob Eltern, Grosseltern, andere Verwandtschaftsgrade oder durch die Arbeit. Für diesen Weg habe ich mich bewusst entschieden. Ich weiss heute, was ich als Kind gebraucht hätte:
Genau auf diese Weise bin ich für mein Kind da und möchte andere Menschen dabei unterstützen, sich zu trauen das auch zu tun.
Jedes Kind ist anders.
Jedes Kind ist einzigartig.
Jedes Kind braucht eine andere Form des Umgangs, braucht andere Rahmen, braucht eine andere Unterstützung.
Wir dürfen Kinder ernst nehmen, für sie da sein und ihnen Wurzeln geben, durch die sie sich nicht verstellen und verstecken brauchen, sondern zu dem einzigartigen Wesen heranwachsen, dass sie sind.